Wer hat den Global Challenges Index entwickelt?
Im Auftrag der Börse Hannover hat die oekom research AG das Konzept für den Global Challenges Index entwickelt und das Index-Universum zusammengestellt.
oekom research ist eine unabhängige Nachhaltigkeitsrating-Agentur und auf die Bewertung von Unternehmen und Staaten anhand von sozialen, ökologischen und ethischen Kriterien spezialisiert. oekom research überwacht die im Index gelisteten Unternehmen im Hinblick auf deren nachhaltigkeitsbezogene Performance und potenzielle Verstöße gegen die definierten Ausschlusskriterien.
Die NORD/LB Norddeutsche Landesbank hat die Börse Hannover bei der technischen Umsetzung des Index-Konzepts unterstützt. Sie ist mit 5.560 Mitarbeitern und einer Konzern-Bilanzsumme von 203,1 Milliarden Euro die führende Geschäftsbank im Norden Deutschlands mit geschäftspolitischer Konzentration auf Nord- und Nordosteuropa. Die Deutsche Börse AG berechnet im Auftrag der Börse Hannover den Index.
Was unterscheidet den Global Challenges Index von anderen Nachhaltigkeitsindizes?
- Thematische Fokussierung:
Mit der Konzentration auf sieben konkrete Themenfelder (Klimawandel, Trinkwasser, Entwaldung, Biodiversität, Bevölkerungsentwicklung, Armut und Global Governance), die als globale Herausforderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft international anerkannt sind, wird Nachhaltigkeit aus seiner oft beklagten Abstraktion herausgeholt und greifbar gemacht.
- Nutzung eines absoluten Best-in-Class Prinzips: Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen hohen Standards an ihre soziale und ökologische Performance genügen. Es reicht dabei nicht, relativ gesehen das beste Unternehmen einer Branche zu sein, um in den Index zu kommen. Die Unternehmen müssen auch nach absoluten Maßstäben hohen Standards an die Nachhaltigkeit erfüllen. Dies wird dadurch sichergestellt, dass nur Unternehmen aufgenommen werden, die von oekom research den Status „Prime“ bekommen.
- Strenge Ausschlusskriterien:
Über den Ausschluss kontroverser Geschäftsfelder (z. B. Atomenergie, grüne Gentechnik und Rüstung) hinaus werden auch Unternehmen vom Index ausgeschlossen, die mit ihren Geschäftspraktiken gegen anerkannte Standards in den Bereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte sowie Corporate Governance verstoßen.
- Fokus auf aktiv handelnde Unternehmen:
In den Index werden Unternehmen aufgenommen, die einen aktiven Beitrag zur positiven Veränderung der Risikoszenarien in den sieben Handlungsfeldern leisten und sich dadurch Chancen erarbeiten.
Warum wurden gerade diese sieben Handlungsfelder ausgewählt?
Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Millenium Development Goals der Vereinten Nationen, die Nachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Union, der „Global Environmental Outlook“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sowie die zehn Prinzipien des UN Global Compact.
Sieben der als besonders relevant angesehenen Herausforderungen wurden für den Index ausgewählt. Die Einhaltung der Prinzipien des Global Compact wird über die definierten Ausschlusskriterien sichergestellt.
Können Unternehmen einen Beitrag zum Umgang mit den globalen Herausforderungen leisten?
Gleichwohl zeigt der Index, dass es auch hier bereits richtungweisende Aktivitäten gibt. Beispielhaft hierfür stehen Aktivitäten im Bereich der Armutsbekämpfung. Wenn es darum geht, im Sinne eines Empowerment die Fähigkeit der Menschen zu verbessern, aus eigener Kraft die Armut zu überwinden, sind die Unternehmen mit ihrer Kompetenz und Finanzkraft gefordert, einen aktiven Beitrag zu leisten.
Relevante Handlungsfelder sind beispielsweise Maßnahmen zur Verringerung der Verwundbarkeit (Vulnerabilität) der Menschen (z. B. durch Mikroversicherungen), zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung (z. B. durch fairen Handel oder Mikrokredite) oder die Verbesserung der Bildung und Informationsteilhabe (z. B. durch Überwindung der digital divide).
Insgesamt profitieren diejenigen Unternehmen besonders im Hinblick auf ihre Ertragskraft und damit ihren Unternehmenswert, die den globalen Herausforderungen proaktiv entgegentreten. Zum einen begegnen sie bereits akuten bzw. potenziellen Risiken für den Unternehmenserfolg, zum anderen eröffnen sie sich Chancen für die Unternehmensentwicklung, insbesondere durch:
- Sicherung der dauerhaften Verfügbarkeit von Ressourcen, z. B. durch eine nachhaltige Forst- und Fischereiwirtschaft,
- Reduzierung der Marktpreisrisiken, z. B. durch Steigerung der Energieeffizienz und Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen,
- Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit durch technische Innovationen, z. B. im Bereich der erneuerbaren Energien,
- Erschließung neuer Märkte, z. B. im Bereich Mikrofinanz,
- Erhalt und Ausbau der gesellschaftlichen Akzeptanz und Reputation.
Wie werden die Unternehmen für den Global Challenges Index ausgewählt?
1. Im Rahmen eines Corporate Responsibility Ratings prüft oekom research die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards durch die Unternehmen. Nur Unternehmen, die den Anforderungen dieses absoluten Best-in-Class Ansatzes genügen und von oekom research den Status „Prime“ bekommen, sind grundsätzlich für den Index qualifiziert.
Zusätzlich werden die Unternehmen im Hinblick auf die Einhaltung der strengen Ausschlusskriterien überprüft.
2. In einem zweiten Schritt identifiziert oekom research diejenigen Unternehmen, die substanzielle Beiträge zur Bewältigung der globalen Herausforderungen leisten und sich dadurch die beschriebenen Chancen eröffnen. Eine finanztechnische Analyse stellt sicher, dass die ausgewählten Unternehmen auch den Mindestanforderungen an die Marktkapitalisierung genügen.
Ein unabhängiger Beirat berät oekom research bei der Entwicklung des Konzepts, bei der Definition der Positiv- und der Ausschlusskriterien sowie bei der Identifikation von geeigneten Titeln.
Welche Ausschlusskriterien werden genutzt?
1. Zum einen werden Unternehmen ausgeschlossen, die in Geschäftsfeldern aktiv sind, die als kontraproduktiv für den Umgang mit den globalen Herausforderungen angesehen werden.
Dazu zählen im Einzelnen folgende Geschäftsfelder: Atomenergie, Biozide, Chlorchemie, grüne Gentechnik und Rüstung.
2. Zum anderen werden Unternehmen ausgeschlossen, die durch kontroverses Geschäftsverhalten gegen anerkannte Umwelt- sowie Menschenrechts- und Arbeitsstandards verstoßen. Dazu zählen beispielsweise Verstöße in den Bereichen Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit, Zwangsarbeit, Diskriminierung und Kinderarbeit.
3. Schließlich wird auch das Verhalten der Unternehmen in den Bereichen Corporate Governance und Business Ethics analysiert. Unternehmen mit Verstößen in den Bereichen Korruption und Bilanzfälschung werden nicht in den Index aufgenommen. Diese Ausschlusskriterien decken auch die im UN Global Compact definierten Anforderungen an Unternehmen ab.
Es werden jeweils alle Unternehmen auf die Einhaltung aller Ausschlusskriterien überprüft.
Welche Erfahrung hat oekom research im Bereich des nachhaltigen Investment?
Aufbauend auf dem Frankfurt-Hohenheimer-Leitfaden hat oekom research einen umfassenden Rating-Ansatz zur Bewertung von Unternehmen entwickelt, das „Corporate Responsibility Rating“. Zu den Kunden von oekom research gehören heute zahlreiche institutionelle Investoren und Finanzdienstleister aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Japan und der Schweiz.
oekom research beinflusst derzeit Fonds und Mandate mit einem Gesamtvolumen von € 85 Mrd.
Was ist der oekom „Prime-Status"?
Da die nachhaltigkeitsbezogenen Anforderungen und unternehmerischen Voraussetzungen sich von Branche zu Branche unterschieden, werden sowohl die Bewertungskriterien wie auch die Standards branchenabhängig definiert. Dies führt dazu, dass in manchen Branchen eine Bewertung C+ ausreicht, um den Prime-Status zu erlangen, während in anderen Branchen ein B zur Aufnahme in das Prime-Universum qualifiziert. Insgesamt reicht die Bewertungsskala von oekom research von A+ bis D-, wobei die Ratingskala wie folgt definiert ist:
A = Das Unternehmen zeigt außergewöhnliche Leistungen
B = Das Unternehmen verhält sich weitgehend progressiv
C = Das Unternehmen hat grundlegende Maßnahmen ergriffen
D = Das Unternehmen zeigt wenig Engagement
Welche Rolle hat der unabhängige Beirat?
Derzeit gehören folgende Persönlichkeiten dem Beirat an:
Dr. Bernd Balkenhol, ILO (Genf)
Dr. Bernhard Bauske, Leiter Strategische Unternehmenskooperationen, WWF Deutschland (Frankfurt)
Dr. Hermann Falk, Mitglied der Geschäftsleitung Bundesverband Deutscher Stiftungen (Berlin)
Sr. M. Juliane Flormann osf, Kloster Sießen
Caspar von Hauenschild, Vorstandsmitglied, Transparency International (Berlin)
Dr. Rolf Krämer, Vizepräsident der ev.-luth. Landeskriche Hannover (Hannover)